- The Spinto Band - Nice and Nicely Done
Un-CD
Noch mehr tolle Powerpop-Frühlingsmusik, diesmal von einer jungen amerikanischen Band. Interessant ist, wie diese Jungs die aktuellen multimedialen Möglichkeiten voll ausspielen. Eine Webseite mit allem möglichen Multimedia-Schnickschack hat heute ja schon jede Hobbyband (Schlagwort: Web 1.0). Aber ein aktives und selbst geführtes Weblog ist schon seltener, dabei ist es die beste Möglichkeit, den Kontakt zu den Fans herzustellen und mit ihnen zu kommunizieren (Schlagwort: Web 2.0). Vorläufer der Blogs waren die Online-Communities, und auch da sind sie seit 2004 aktiv (Buzzwort: Web 1.5). Hier bieten sie auch einige Songs in bester Qualität zum freien Download an, geben damit den zahlreichen Musikblogs Futter und sorgen so dafür, dass sich ihre Musik und ihr Name verbreiten. Die Podcasts und Gratis-CDs der Musikzeitschriften werden auf sie aufmerksam und sorgen für weitere Popularität. Vor ihren Konzerten gibt es Wettbewerbe und Freikarten über ihr Blog, was für Gesprächsstoff sorgt und die Stimmung sicher sehr steigert. Und wer mehr als eine CD von ihnen mit nach Hause nehmen will, wird von der eigenen Produktionsfirma kreativ und gut bedient. Bravo Jungs, das ist gut und gut gemacht! - Doch wer macht mal wieder einen Strich durch diese ganze Konzeption und versaut den guten Ruf? Richtig, die deutschen Deppen ihrer Vertriebsfirma mit ihrem Kopierschmutz. Also gilt auch hier: kauft ihre CD nicht in Deutschland, nutzt die internationalen Onlineshops oder bestellt sie gleich von der Webseite der Band, ohne alle Schikanen. [ 4/06 ]
- The Kooks - Inside In / Inside Out
Un-CD
Kooks bedeutet so viel wie Spinner und ist ein Songtitel von David Bowie von 1971. Wer jetzt aber meint, er höre Retro-Glamrock von älteren Herren, der irrt gewaltig. Die Jungs aus dem englischen Brighton sind um die 20 Jahre alt, waren damals also noch gar nicht geboren. Vielleicht haben die Eltern dazu gerade ihren ersten Kuss riskiert. Wie auch immer, die Musik hat erst recht keinen Bezug zum ollen Bowie, es ist frischer knackiger unbefangener Powerpop mit eingängigen Melodien, der zum Tanzen anregt. Der NME nennt den Sänger den derzeit besten jungen Songschreiber. Wer die ideale Scheibe für den jetzt hoffentlich bald kommenden Frühling sucht, eine die sich nach Sonne, offenem Cabrio, luftigen Klamotten und Wind im Haar anfühlt, der ist hier genau richtig. Der Sommer kann kommen, genau so wollen wir ihn haben! Was wir allerdings gar nicht wollen, ist der dämliche deutsche Kopierschutz. Also: nicht in Deutschland kaufen, dank Internet ist die Welt ja eh ein Dorf. [ 3/06 ]
- TheKooks.co.uk - offizielle Website, als Flash-Bombast oder HTML-Langweile
- TheKooks.de - abgespeckte Version des Originals von ihrem deutschen Label
- Laut.de - Portrait, Plattenkritik: Melodiefreudigkeit, Attitüde und Unangepasstheit
- Motor.de - Portrait, Plattenkritik und zwei Videos
- Music-News.de - Kooks machen Lust auf mehr
- FAZ.net - Kooks und Scientists: Freude schöne Stundengötter
- Nicorolas Musikblog - hier und jetzt, mit offenem Fenster und zwischernden Vögeln
- Campuscharts.de - Silberling der Woche (KW 13/2006)
- Eldoradio.de - Zukunftsmusik (KW 09/2006)
- Kooks Songs - das Lied von David Bowie gab der Band ihren Namen
- Pop Frontal - Infos zur Deutschlandtournee im April
- Fabrik HH - da spielen sie am 22. April auf dem Visions Spring Break
- Yeah Yeah Yeahs - Show Your Bones
Wer vom Nachfolger des legendären Debutalbums (siehe mein
Tipp von 2003) erwartet, dass alles so klingt wie damls, hat sich geirrt. Die Rock & Roll-Explosionen sind geblieben, der rohe und raue Garagen-Rock natürlich auch. Aber jetzt ist auch ein Keyboard zu hören und Elektronik und ab und an kommt die Gitarre mal ohne Strom aus. Die Texte sind weniger plakativ, dafür persönlicher. Nein, ein Röntgenblick ins Innere von Karen O ist nicht zu befürchten, auch wenn der Titel sich so anhört - die Sängerin bleibt schön und wild und unberechenbar. Es ist eher so, dass zur explosiven Klanggewalt auch vielseitigere und emotionalere Töne hinzu gekommen sind. Keine Neuauflage des Bekannten und Erfolgreichen also, sondern Fortschritt ohne Verleugnung der Wurzeln, so sollte es doch eigentlich immer sein. Hört rein, es lohnt sich!
[ 3/06 ]
- We Are Scientists - With Love and Squalor
Un-CD
Einzelne Songs dieser tollen New Yorker Band geistern schon seit Monaten durch die Musik-Blogs des Internets, in England waren sie schon in den Charts, demnächst erscheint ihre Debutscheibe endlich auch bei uns. Und das wirft gleich die ganz große Frage auf: Warum ist die deutsche Musikindustrie eigentlich so bescheuert wie sie ist? Will sie kein Geld verdienen und sich statt dessen nur aufs Jammern und Drohen verlegen? Wie auch immer, über die Dummheit anderer zu rätseln ist unergiebig - vergesst diese Schnarchsäcke. Blödheit Nr. 1: In England erschien diese Platte schon letzten Oktober, bei uns erst im kommenden März. Blödheit Nr. 2: Im Gegensatz zu England und den USA wird es sie bei uns nur mit idiotischem Kopiersch(m)utz geben. Also wartet nicht bis sie hierzulande im Laden steht, bestellt sie, wenn ihr sie kaufen wollt, im Internet aus England oder USA. Dort gibt es sie inzwischen im Sonderangebot zum halben Preis und sie ist dann, da die Musikfreunde sich dort nicht durch Kopiersperren bescheißen lassen, immer und überall abspiel- und kopierbar. Und hört auf, das Gejammer und die bösartigen Drohungen der deutschen Musiklabel ernst zu nehmen. Geht doch pleite, ihr deutschen EMI-Penner, ihr habt es nicht anders verdient! [ 2/06 ]
- WeAreScientists.com - die Homepage des New Yorker Trios, schlicht und in rosa
- Wikipedia.de - in Deutschland noch nicht im Laden, aber schon im Lexikon
- Laut.de - Schlaue, kritische Geister mit exzellentem Geschmack und geilen Körpern
- Tonspion - Plattenkritik lesen, Videos gucken, mp3 downloaden
- snafu.events - energische Mischung aus Indie-Pop, Post-Punk und Art-Rock
- Musicchannel - Indierock am Höhepunkt
- totally fuzzy - die Blogroll enthält eine riesige Liste von aktuellen mp3-Blogs
- Molotow HH - am 8. März spielen sie auf der Reeperbahn und ich bin da
- Arctic Monkeys - Whatever People Say I Am, That's What I'm Not
Wer meint, im letzten Jahr hätte jede englische Rockgruppe, die auch nur in der Lage ist eine Gitarre auf die Bühne zu schleppen, eine Platte aufgenommen und in die Hitparaden befördert und nun wäre es gut und der Hype durch (schließlich gab es im letzten Monat seit langem einmal kein einziges spektakuläres britisches Debutalbum), der hat sich geirrt. Im Gegenteil, die Bands wachsen nach. Die vier Jungs aus Sheffield, einer alten englischen Arbeiterstadt, die heute so trostlos ist wie die ehemaligen Kohlereviere an der Ruhr, sind noch nicht einmal 20 Jahre alt, doch sie füllen schon jetzt jeden Saal jeder Größe. Wie machen die das? Ganz einfach: sie haben das Internet verstanden. Schon lange, bevor sie eine Plattenfirma fanden, haben sie ihre Musik im Web veröffentlicht. Die mp3-Blogs, immer auf der Suche nach frischer Musik, griffen ihre Songs auf und verbreiteten sie weltweit. Als die Jungs im Oktober 2005 das Londoner Astoria zum Kochen brachten, wunderten sich die anwesenden Spex-Redaktuere, dass die Fans alle Texte mitsingen konnten - schließlich gab es noch gar keine Platte von ihnen zu kaufen. So macht man das eben heute! [ 2/06 ]
- Jenny Lewis & The Watson Twins - Rabbit Fur Coat
Vor nicht ganz einem Jahr stellte ich hier die Platten der kalifonischen Indieband Rilo Kiley vor. Urbane Countrymusik nannte ich ihren Musikstil damals und ich höre alle drei Scheiben immer noch sehr gerne. Jetzt hat die Sängerin Jenny Lewis eine Soloplatte raus gebracht und hat sich für die Hintergrundstimmen die Zwillige Chandra und Leigh Watson ausgesucht, zwei junge ausgewiesene Countrysängerinnen. Wenn man sich die Fotos oder das Albumcover anguckt mit diesen drei Junge-Mädchen-Unschulds-Blicken, dann ahnt man Schreckliches - und wird glücklicherweise eines Besseren belehrt, wenn man sich davon nicht abschrecken lässt. Zwar hört man wie erwartet honigsüße Himmelsklänge, samtweiche Soulspirituals und folkig-zarte Frauenchöre, aber nur kitschig, nein, das ist die Platte ganz und gar nicht. Es ist nur eine schöne Verpackung für kluge persönliche Songs über Liebe, Sex, Träume und Wünsche, gute und schlechte Menschen sowie ganz banale Alltagsdinge, völlig ohne jegliche falsche Harmoniesoße. Natürlich ist es nicht jedermanns Geschmack, aber das ist gute Musik ja nie. Darum werden sie es auch diesmal nicht in die Hitparaden schaffen. [ 1/06 ]
- The Strokes - First Impressions of Earth
Vor fünf Jahren brachten die smarten New Yorker Jungs ihr Erstlingswerk raus und es schlug ein wie eine Bombe. Auf einmal war rockige Gitarrenmusik nicht mehr nur etwas für alte Säcke mit konservativem Musikgeschmack, sondern jung und cool. Seitdem sprießen junge "The-Bands" wie Pilze aus dem Boden und re-vitalisieren eine längst tot geglaubte Musikrichtung. Und was machen ihre Vorkämpfer? Sie werfen jetzt ihre dritte Scheibe in den Ring und hoffen, damit ihren Thron des aktuellen Rock'n'Roll zu behaupten. Ja, sie sind noch immer gut, sogar sehr gut. Ja, sie haben sich weiter entwickelt und trotzdem ihre Coolheit bewahrt. Aber nein, sie sind nicht mehr besser als alle anderen. Vielleicht cleverer, vielleicht perfektionistischer, vielleicht auch einfach nicht mehr 20 wie ihre Nachfahren aus England. Aber wahrscheinlich ist es viel simpler: es gibt nicht nur einen Thron für eine Band, die Könige sind nicht gestürzt, sondern ganz einfach nur demokratisiert. [ 1/06 ]